Breaker

Der elfte im elften um elf Uhr elf…

Ich hab standardmäßig vom 11. November bis Aschermittwoch ´nen Ohrwurm und Konfetti in Haar und Bett.

Wer mich kennt weiß es – ich bin in einem Karnevalsverein.
Wer mich nicht kennt: Hi Leute, ich bin in einem Karnevalsverein.
Ist mir nicht peinlich. Auch nicht, dass ich seit meinem sechsten Lebensjahr jeden Schlager mitsingen kann.
Wir Brandenburger haben ja verrückterweise sogar 2 Karnevalsvereine.
Den BKC und den KCH, und beide treffen sich an jedem 11. November um gemeinsam durch die Stadt zu ziehen,
den Leuten Bonbons entgegenzuwerfen und im Paulikolster dem Oberbürgermeister die Stadtschlüssel abzunehmen.
Und wie in jedem Jahr ist dafür die halbe Innenstadt (etwa eine Stunde lang) gesperrt und wir Karnevalisten laufen
lachend mit Kamelle und Glühwein bewaffnet durch die Straßen und erfreuen uns der nun beginnenden fünften Jahreszeit.
Und auch, wie in jedem Jahr, stehen neben den lachenden, winkenden Menschen am Straßenrand grummelige
Brandenburger und verstehen die Welt nicht mehr.

Am letzten 11.11 traf ich auf 4 dieser miesgelaunten Havelstadtbewohner an der Kreuzung Jakobstraße/Bauhofstraße.
Die Autofahrer mussten anhalten, die Straßenbahn kam nicht weiter, nix ging mehr.
Scheiß Start in die Woche für die 4 eben Erwähnten. Das taten sie lautstark kund.
Es wurde geschimpft und gezetert: was das soll und überhaupt sind wir ja keine Rheinländer!
Naja, so sind wir Brandenburger halt.

Ich treffe tatsächlich regelmäßig auf Menschen, die dieses Brauchtum einfach nicht verstehen.
Auch gut. Ich bin ja lange darüber weg andere Menschen für das Feiern des Karnevals zu begeistern.
Und ich glaube, es gibt prinzipiell nur zwei Sorten von Menschen, wenn es um die fünfte Jahreszeit geht:
die einen lieben es, die anderen hassen es. Dazwischen gibt es nicht viel.

So saß ich letztens auch in meiner Stammkneipe und unterhielt mich mit Freunden,
die allesamt noch nie zum Feiern bei einer unserer Prunksitzungen waren.
Alle am Tisch wissen, dass ich in den Monaten um den Aschermittwoch aus allen Aktivitäten,
die nichts mit dem Karnevalsleben zu tun haben, raus bin. Da haben sich alle dran gewöhnt.
Nur nicht, dass wir einmal im Jahr ´nen Umzg veranstalten.
Darüber regt sich der Brandenburger auf, wenn er es nicht mag.
Es gab eine kurze hitzige Diskussion über die Sinnigkeit der Straßensperrung,
an deren Ende sich zumindest zwei meiner Freundinnen Karten für unser diesjähriges Programm organisierten.
Probieren kann man das, find ich. Wenn man es nicht mag auch ok, dann weiß man es zumindest.
Wir Brandenburger haben ja einige Nischen für alles mögliche: Angeln, Wassersport, Rennrad, Skaten, jeder findet was für sich.
Da stört doch so ´n bisschen Karneval kaum einen.
Und wenn man wirklich möchte, dann kann man uns Karnevalisten sogar ignorieren.
Nun gut, am 11.11. ist es schwer, aber Branne, das schafft ihr schon!
Gute Laune tut ja nicht weh.

Und ich glaub, die 4 Meckerköppe haben sich auch wieder beruhigt.
Den kleinen Schnaps, den ich ihnen lächelnd gab, haben sie zumindest alle freundlich dankend angenommen.
Gern geschehen.
Sevi.

 

Text: Severine Koch
Foto: Privat

Severine