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Drei Wege aus der Berliner Modebranche nach Brandenburg

Zum Start in das neue Jahr haben wir für euch mit drei super interessanten Frauen gesprochen: mit Susanne, Simone und Alexa. Alle drei beschäftigen sich beruflich mit Mode und jede verbindet eine andere Geschichte mit der Stadt Brandenburg. Um diese Geschichten von ihnen zu hören, haben wir uns an einem sonnigen Wintertag zum Interview getroffen.

Wir müssen zugeben,  dass wir selbst vorher etwas aufgeregt und sehr gespannt waren. Wir kannten uns alle nur flüchtig von Sandkasten-Gesprächen auf dem Spielplatz oder kurzen Treffen im Zug. Und dann saßen sie tatsächlich bei uns am Esstisch, alle super stilsicher, offen und interessiert – und lustigerweise alle in dunkelblau, jedenfalls zumindest mit blauen Streifen! Wenn das kein Zeichen ist… Und so haben wir eine sehr fröhliche Gesprächsrunde mit beeindruckenden, inspirierenden Ladies erlebt. Wir haben viel gelacht, Macarons genossen und – wie uns später auffiel – gar nicht über Mode, aber viel über unsere Leben in Brandenburg geredet.

Modetalk mit Simone, Susanne und Alexa

Susanne ist in einem kleinen Dorf in Oberbayern ganz behütet in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen. Sie hat Modedesign in München studiert und ist nach dem Studium nach Berlin gegangen. Dort gründete sie mit einer Freundin ihr eigenes Label, entwarf Red-Carpet-Kleidung und lebte dann mehrere Jahre im Rausch der Großstadt.

„In dieser Branche muss man sehr gut vernetzt sein, man muss ständig zu Veranstaltungen gehen
und viele Leute treffen“, erzählt Susanne, „aber dieses Leben passte eigentlich gar nicht zu mir.
Alles war viel zu schnell und laut und oberflächlich.
Ich stand in Berlin quasi zehn Jahre unter Schock“, sagt sie lachend.

Deswegen habe sie sich sehr nach einem Leben in einer beschaulicheren Umgebung gesehnt, vor allem als sie dann ihre Kinder bekam. Susannes Mann arbeitete schon mehrere Jahre als Lehrer in Brandenburg und zu den Schulsommerfesten haben sie immer gemeinsam die Havelstadt besucht. „Ich habe mich bei unseren Besuchen hier immer sehr wohl gefühlt und fand die Stadt total liebenswert“, schwärmt Susanne, „und dann haben wir eine schöne Wohnung in Brandenburg gefunden. Wir waren ja schon Berliner Preise gewohnt und wollten einfach gern eine größere Wohnung. Das hat sich hier perfekt zusammen gefügt.“

Für Alexa, die als Modejournalistin auch lange in Berlin gelebt hat, kam der Moment der Entscheidung für Brandenburg – und zwar das Land Brandenburg in ihrem Fall – viel überraschender. Sie hatte sich in ihren jetzigen Mann verliebt, mit ihm ein Kind bekommen und gemeinsam ein Haus in Wusterwitz gekauft, weil ihr Mann ursprünglich aus dem schönen Dorf am See kommt. Das Haus sollte eigentlich nur ein Ferienhaus sein und sie wollten es ganz entspannt, so easy peasy nebenbei, ein bisschen renovieren. „Und dann hat mein Mann mal geschaut, was ein Umzug von Berlin nach Wusterwitz kosten würde: das sollten nur 700 € sein. Wow, dachte ich, das ist aber günstig! Der Haken war allerdings, dass der einzig freie Termin schon eine Woche später war!“, erzählt Alexa uns, „ ja, und dann haben wir uns dreimal getrennt in dieser Woche, ich habe nur geheult und bin am Ende mit Kind und Kegel nach Wusterwitz gezogen.

Ich kam in unserer neues Haus, hatte noch etwas feuchte Augen
und ein Freund meines Mannes sagte tröstend zu mir ‚Alles wird gut!‘.
Und ich wusste in dem Moment, dass er absolut recht hat.“

Simone kommt ursprünglich aus dem Rheinland, sie hat in Hamburg Textilmanagement studiert und ist für ihren Job nach Berlin gezogen. Dort lebt sie heute mit ihrer Familie in Pankow und arbeitet als HR Managerin bei COS. Aber weil ihr Freund aus Brandenburg kommt und auf der Eigenen Scholle ein Haus besitzt, hat sie ihr Babyjahr dort verbracht. Ihre Berliner Wohnung war – wie so oft – mit Kind zu klein geworden und so haben sie kurz vor der Geburt entschieden, vorerst nach Brandenburg zu kommen.

Die Entscheidung, die Großstadt zu verlassen, stellte dann jedoch alle drei Frauen vor die Herausforderung, den Wohnort mit dem Job zu vereinen. Simone war an ihr Büro am Hackeschen Markt gebunden sowie Alexa und Simone an den Arbeitsrhythmus ihrer Branchen.

Alexa: „Mal abgesehen von der Landsehnsucht und diesem ganzen Idyll, ist das Leben hier auch einfach praktischer. Wenn man ehrlich ist, waren unsere Möglichkeiten in der Stadt viel begrenzter, denn wenn man 2000 € Miete bezahlt und eine Dreiviertelstunde bis zur Kita fährt, sind am Ende des Tages nicht mehr viel Geld und Zeit übrig.“

Alexa hat trotzdem ihren Job ‚einfach‘ mitgenommen und arbeitet heute täglich im Homeoffice in ihrer „Villa Peng“. Sie schreibt unter anderem für das Onlinemagazin OhhhMhhh.de, ihren eigenen Blog Alexa Peng und verfasst derzeit auch ein neues Buch.

„Ich bin sehr froh, dass das freiberufliche Schreiben zuhause so gut funktioniert. Aber manchmal fühle ich mich natürlich auch sehr einsam.“

„Mein Mann arbeitet ja auch den ganzen Tag in Berlin. Und in meinem Job ist es natürlich auch wichtig, ‚am Puls der Zeit‘ zu sein. Ich muss ständig andere Leute treffen und mich gut vernetzen. Deswegen fahre ich oft nach Berlin. Zum Glück ist man von Wusterwitz mit dem Zug super schnell im Zentrum. Aber es erfordert natürlich trotzdem immer etwas Organisation, schon allein weil meine Tochter dann zum Beispiel von den Großeltern abgeholt werden muss…“.

 

Diesen Zwiespalt zwischen dem Leben in der Großstadt und dem Leben abseits ihres Trubels spüren Susanne, Simone, Alexa und auch wir selbst sehr deutlich. Für die Eine ist es die Kultur, für die Andere ist es das Modegeschehen und für die Nächste der Zeitgeist. Denn zugeben muss man dann doch, dass die meisten großen Trends immer noch im Kontext der Metropolen entstehen. Und so sehnt man sich zwar – mal mehr, mal weniger – nach den Kultur-, Gastro- und  Einkaufsmöglichkeiten, die Brandenburg (noch) nicht hat. Jedoch empfinden viele derjenigen, die in der Großstadt bleiben, denselben Zwiespalt andersherum. Sie sehnen sich nach den kürzeren Wegen, der Luft, dem Platz und der Familienfreundlichkeit der Kleinstädte und Dörfer.

Letztlich muss man sich für eine der Sehnsüchte entscheiden
und sich die Frage der Vereinbarkeit stellen. 

Für Susanne und Simone waren die Jobs nicht mit Brandenburg als Wohnort zu vereinbaren. Deswegen hat sich Susanne quasi gegen den Job und Simone sich gegen die Stadt entschieden:

„Ich hätte jeden Tag insgesamt drei Stunden Fahrtzeit zum Hackeschen Markt
gebraucht. Und das war mir einfach zu viel Zeit.
Zeit, die ich lieber mit meinem Sohn verbringen möchte.
Deswegen haben wir uns dann gegen Brandenburg entschieden
und sind wieder nach Berlin gezogen“, erzählt Simone.

„Und ich habe mich gegen den Job und für Brandenburg entschieden“, sagt Susanne, „es war schon in Berlin mit den Kindern nicht mehr möglich, meine Arbeit weiter so zu machen wie in den Jahren davor. Außerdem fühlte es sich auch nie richtig an für mich persönlich. Jetzt lebe ich meine Kreativität mehr im Privaten aus und bin sehr glücklich damit.“

Susanne: „In Berlin hatte ich den totalen Kultur-Overkill und hatte immer Heimweh nach den Bergen. Eigentlich stand ich dort zehn Jahre unter Schock. Deswegen bin ich so glücklich, dass wir jetzt hier sind. Das ist das Beste, was mir passieren konnte.“

 

„Und wir bleiben auch hier! Wir haben gerade ein Haus an der Regattastrecke gekauft und freuen uns schon sehr auf den Aus- und Umbau. Da kann ich wieder kreativ werden“, erzählt Susanne fröhlich.

Man sieht ihr die Vorfreude auf das eigene Haus sofort an. Vor allem auf den Garten freue sie sich sehr. Sie werden dann aus ihrer Dachgeschosswohnung am Jakobsgraben an den Stadtrand ziehen und damit noch ein Stück weiter auf urbanes Leben verzichten. Und genau darin sehe sie eine Steigerung der Lebensqualität:„Wenn ich mir vorstelle,
dass unsere drei Töchter im Garten spielen und wir dort mit Freunden an einem großen Tisch sitzen, finde ich das ziemlich perfekt“, schwärmt Susanne.

 

 

 

Alexa wohnt ebenso idyllisch mit einem wunderschönen Garten mit Seeblick. Die Renovierungsprojekte in ihrer Villa Peng kann man auf ihrem Blog verfolgen. Dort schreibt sie erfrischend ehrlich, mit viel Herz und rheinischer Fröhlichkeit über Mode, Interieur und den Rest des Lebens. „In Wusterwitz interessiert das aber glücklicherweise niemanden“, sagt Alexa, „da ist es egal wie viel Follower man auf Instagram hat. Sich selbst zu präsentieren ist den Leuten hier eher ein bisschen peinlich. Deswegen ist es der perfekte Kontrast zu meinem Job. Hier spielen ganz andere Werte und Fähigkeiten eine Rolle.

Ich finde es zum Beispiel sehr liebenswert, dass man sich auf dem Land so gern hilft
und für andere mitdenkt. Als wir neulich mehrere Bäume fällen wollten,
standen sofort fünf Leute mit Kettensägen in unserem Garten und haben uns geholfen.“

Susanne fühlte sich besonders herzlich willkommen durch den Anschluss in der evangelischen freikirchlichen Gemeinde. Die Gemeinde ist auch die Trägerin der Kita und des Hortes, in die ihre Kinder gehen. Und so trifft sie dort viele andere junge Familien und es gibt viele verschiedene Angebote.

„Dadurch hatte ich sofort einen sehr engen, direkten Kontakt zu anderen Menschen.
Aus Berlin war ich die Anonymität und die Oberflächlichkeit gewöhnt und hier
wurde man warmherzig aufgenommen. Das Gemeindeleben prägt
unser Familienleben bis heute sehr positiv.“

Simone: „Der Mann hat mich nach Brandenburg gelockt.“

Simone hat sich in dem Jahr, das sie in Brandenburg verbracht hat, auch sehr wohlgefühlt. Sie mochte das große Haus, den eigenen Garten und die schönen Spazierwege rundherum. Dennoch hat sie nicht den sozialen Rückhalt gefunden, der sie vielleicht enger an die Stadt gebunden hätte. „Mein Freund hat zwar einen sehr netten Freundeskreis aus seiner Jugendzeit in Brandenburg. Trotzdem brauche ich, meine ich jedenfalls, noch die Großstadt um mich herum. Und der Fahrtweg war für mich einfach zu weit.“ Dennoch scheint Simone das Thema noch nicht ganz abgeschlossen zu haben und sagt: „Es ist ja nicht ausgeschlossen, dass wir hier wieder herziehen. Wer weiß…

Wenn ich heute das Haus und den Garten sehe, stelle ich mir schon vor, wie schön es wäre, wenn unser kleiner Sohn hier aufwachsen könnte.“

Vielleicht können wir sie also doch noch mal in Brandenburg begrüßen!? 

Das würde uns natürlich sehr freuen, denn diese Runde hat uns selbst viel Lust auf noch mehr Austausch mit all den sympathischen, kreativen, lebenslustigen, klugen Frauen gemacht, die hier in unserem Brandenburg leben. Sie – also ihr, liebe Leserinnen – bereichern die Stadt mit so viel Ideen und Freude, sodass sie immer bunter und spannender wird. 

Zur Villa Peng geht´s hier.

Interview: Sabrina Jung & Luise Krekeler
Text: Luise Krekeler
Fotos: Sabrina Jung

 

 

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