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Martha – Von der Ostsee an den Beetzsee

Martha ist in Brandenburg aufgewachsen, sie ist hier zur Schule gegangen und heute wohnt sie in der Altstadt am Gotthardtkirchplatz. Ich finde immer, dass der Platz mit der wunderschönen mittelalterlichen Kirche im Zentrum so eine eigene kleine Welt bildet: Die umliegenden Wohnhäuser sind bis dicht an die Kirche gebaut und wirken im Kontrast zur Gotthardkirche fast niedlich.

Außerdem kennen sich hier alle, viele gehören irgendwie zusammen. Kinder können auf dem Platz frei spielen und bei der Galerie Sonnensegel ist auch immer etwas los. Der Gotthardtkirchplatz ist ein geborgener Raum, irgendwie friedlich und gemütlich.

Und genauso gemütlich ist es auch bei Martha. Seit gut einem Jahr lebt sie wieder in Brandenburg. Vorher hat sie in Greifswald und Bremen studiert und dann lange in Rostock gelebt. Dort sind auch ihre beiden Kinder Frida und Hans geboren. Sie hat sehr gern in der Hansestadt gewohnt und vermisst nun vor allem das Meer.

„Zum Glück gibt es hier auch viel Wasser!
Seitdem wir wieder zurück sind, entdecke ich die Seen neu für mich.
Im letzten Sommer sind wir oft Boot gefahren
und ich habe das Stand up Paddeling ausprobiert.
Das fand ich total super, richtig erholsam“, erzählt Martha.

 

Martha ist mit der Idee nach Brandenburg zurückgekommen, das Mehr-Generationen-Wohnen auszuprobieren. In ihrem Elternhaus am Gotthardtkirchplatz ist eine Wohnung im obersten Geschoss frei geworden, in die Martha mit ihren Kindern eingezogen ist. Im Haus wohnen auch ihr Vater und ihre Großeltern, jeweils auf verschiedenen Etagen. Und ihre Mama wohnt auch nicht weit weg. So hat Martha ein enges familiäres Netzwerk, das sie stützt. Und sie kann auch für die anderen Familienmitglieder da sein, etwas zurückgeben.

„Neulich habe ich gemerkt, dass sich so eine stille Hauspost bei uns entwickelt hat.
Das ist wirklich schön. Denn ich war vor kurzem sehr erkältet und lag krank im Bett,
da brachte meine Omi mir einen großen Topf Suppe, ohne dass ich ihr
überhaupt erzählt hatte, dass ich krank bin“,

berichtet Martha, „und das vermittelt ein Gefühl der Geborgenheit, das uns das erste Jahr hier in Brandenburg viel leichter gemacht hat. Außerdem sind die Kinder sehr gut angekommen, sie fühlen sich im Kindergarten und der Schule sehr wohl und haben viele Freunde. Und ich selbst habe auch einige Freunde aus der Schulzeit wieder getroffen. Zum Teil waren sie auch längere Zeit woanders und sind nach Brandenburg zurückgekehrt“. Dadurch hatte sie gleich wieder einen Freundeskreis um sich, der sie in das aktuelle Geschehen einbezogen hat.

„In Brandenburg gibt es so eine starke Subkultur. Das ist toll!
Ich war zum Beispiel schon auf verschiedenen Festivals und Parties,
die privat organisiert werden und entweder in der Natur oder in
Industriegebäuden, Werkstätten oder ähnlichem stattfinden“.

Martha hat trotz des Umzugs nach Brandenburg ihre Stelle in Rostock behalten. Sie arbeitet dort schon seit längerem an der Konzeption von eLearning-Modulen und mag das Team in dem Job sehr. Glücklicherweise kann sie ihre Arbeit größtenteils im Homeoffice erledigen und muss „nur“ alle zwei Wochen zwei Tage im Büro in Rostock anwesend sein. Für ihr Homeoffice hat sie kürzlich den neu entstandenen Coworking Space in der Wollenweberstraße entdeckt. Dort verbringt sie gern ihre Arbeitstage.

Daneben bastelt Martha gern an zwei weiteren, kreativen Projekten. „Leider fehlt mir für meine künstlerischen Projekte oft die Zeit. Damit würde ich mich eigentlich gern mehr beschäftigen“, sagt sie. Zum einen zeichnet Martha digitale Illustrationen für Ausstellungen in Museen und ihre eigenen Animationsfilme. Zum anderen vermietet sie einen alten Wohnwagen aus den 70er Jahren, den Friedel, an dem sie auch total gern selbst herumwerkelt. Dafür hat sie eine Garage an der alten Feuerwehrwache. „Neben der alten Feuerwehrwache, direkt an der Havel, ist ja auch der neue Campingplatz. Wenn man den Friedel mietet, kann man entweder gleich dort stehen bleiben oder man kann ihn an das Auto hängen und los düsen. Im letzten Sommer haben Frida, Hans und ich auch selbst mal eine Nacht im Friedel auf dem Campingplatz geschlafen. Das war super lustig!“

Bei ihrer künstlerischen Arbeit leitet Martha ihre Vorliebe für interaktive digitale Dinge. Sie liebt multimediale Installationen, die mit ihren Zuschauern und Benutzerinnen in Kontakt stehen. Den Grundstein dafür hat sie schon mit ihrem Studium gelegt: zuerst studierte sie Kunst und Kommunikationswissenschaften in Greifswald mit einem Semester in Riga an der Kunsthochschule; dann wechselte Martha für den Master in Digitalen Medien nach Bremen. Seitdem hat sie diverse Projekte realisiert, wie zum Beispiel ihre mit Bleistift gezeichnete Animationsfilme. Im Moment arbeitet Martha an einer interaktiven Website, die entgegen der gewöhnlichen Lese-, Seh- und Klickgewohnheiten funktioniert.

„Das muss keinen besonderen, tieferen Sinn haben.
Ich finde, dass man den Gefühlen in und gegenüber der Welt
manchmal auch mit Absurdität und Humor begegnen muss.
Ich mag es, wenn so eine kleine Welt in sich entsteht,
Etwas, das man aufblättern kann,
worin sich immer neue Fächer verbergen“.

Und so hat Martha eine Oberfläche gezeichnet, in der man verschiedene Bilder, Sounds und andere Effekte entdecken kann. „Für diese Arbeit wünsche ich mir allerdings ein größeres Netzwerk, eine Ateliergemeinschaft wäre zum Beispiel toll. Da finde ich es bisher etwas schwierig Anschluss zu finden in Brandenburg. Eine künstlerische Gemeinschaft, die gut zusammenarbeitet, habe ich hier bislang nicht gefunden. Das liegt vielleicht auch daran, dass es keinen entsprechenden Raum dafür gibt“.

„Insgesamt hat sich in der Stadt aber unglaublich viel verändert
und entwickelt, seit ich vor zehn Jahren weggezogen bin“,

sagt Martha über Brandenburg, „Ich empfinde die Buga wie einen drastischen Schnitt, es gibt ein Brandenburg davor und danach. Seit 2015 ist das Stadtbild viel schöner und aufgeräumter, Sichtachsen werden deutlich und die Landschaftsgestaltung macht die Stadt total idyllisch“. Das gelte aber sicherlich vor allem für die Innenstadt, fügt Martha hinzu. Dort halte sie sich eigentlich auch nur auf. Mit ihrem Lastenrad pendelt sie zwischen Altstadt, Dominsel und Neustadt hin und her; sie bringt die Kinder in Kindergarten und Schule, fährt zum Coworking Space oder arbeitet zuhause, und holt nachmittags die Minis wieder ab. „Besonders angenehm sind für mich die kurzen Wege in der Innenstadt“. Zu dem Wohlfühlfaktor trägt daneben die schöne Altbauwohnung am Gotthardtkirchplatz bei.


„Die Kinder finden es besonders toll, dass sie aus ihrem Zimmer
drei Türme sehen können:
den Turm der Gotthardtkirche,
den Plauer Stadttorturm
und die Friedenswarte“.

 

Die Wohnung ist sehr liebevoll und individuell eingerichtet. Man sieht, dass Martha mit ihrem handwerklichen Geschick Einiges selbst gemacht hat. Sie hat zum Beispiel Dielen gestrichen, ein Fliesenmosaik gelegt und Küchenfronten gestrichen. Auch die Garderobe im Flur hat sie aus einem Ast selbst gebaut. Die Möbel hat Martha sonst alle sehr bewusst ausgewählt. Die meisten von ihnen stammen aus der Familie und erzählen eine besondere Geschichte. Genauso wie die Brotschneidemaschine, die auf den ersten Blick etwas antiquarisch wirkt.

 

 

 

„Aber die ist super scharf!“, sagt Martha,
„die habe ich von meinem Großonkel bekommen.
Der konnte zum Ende seines Lebens
nicht mehr gut sehen und fand es daher besser
mechanisch statt elektrisch
sein Brot zu schneiden.
So merke er wenigstens,
wenn er sich in den Finger schneide
und könne bremsen, bevor er ab ist,
hat er damals gesagt“,
erzählt Martha.

Und so ziert sie nun Marthas schönes altes Küchenbuffet.

Wenn ihr neugierig geworden seid auf Martha´s Kunst,
dann klickt hier: www.martha.damus.biz

 

 

 

 

Text: Luise Krekeler
Fotos: Sabrina Jung

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